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Priv. Forschungsarbeit

t.Grass 30.03.2007, 11:56#1
Hallo ,

ich bin Psychologie Student und habe mittlerweile in mehreren Einrichtungen für Behinderte Menschen (meist Kinder) Praktikas belegt. Es hat mich schockiert zu sehen wie autistische Kinder dort unangemessen gefördert bzw. therapiert werden. In den Wohngruppen in denen einige Kinder stationär untergebracht sind, ist die individuelle Förderung autistischer Kinder auf ein Minimum reduziert. Was allerdings zum Teil verständlich sein mag, da Freizeitprogramme meist für mehrere Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen geplant werden und es oft an nötigem Personal mangelt. Aber auch in den ambulanten Fördereinrichtungen wie z.B. Schulen für geistig und körperlich behinderte Kinder, wird auf Autisten nicht individuell genug eingegangen. Doch genau diese individuell angepasste Förderung und Therapie, ist doch der grundlegendste Punkt um messbare Erfolge verzeichnen zu können. Als weiters negatives Kriterium viel mir auf, dass das Personal meist unwissendlich überfordert ist. In den meisten Einrichtungen arbeiten Erzieher der verschiedensten Fachrichtungen die nur ein halbjähriges Zusatz-Seminar besucht haben, in denen ihnen nur geringfügige Kenntnisse über Therapie und Förderungsmöglichkeiten bei autistischen Kindern vermittelt wurden.

Ein generelles Problem stellt meiner Meinung nach auch dar, dass die Ursachen für das Entestehen von Autismus noch nicht gänzlich erforscht ist. Grund dessen ist es logischerweise auch schwer eine konkrete Aussage darüber treffen zu können, welche Therapieformen nun am "wirksamsten" sind.

Bereits vor Beginn meines Studium hat mich der Autismus fasziniert, und seitdem investiere ich auch viel Zeit (so gut wie jegliche mir zur Verfügung stehende) um Autisten in Zukunft hoffentlich eine nachweislich Erfolgs verzeichnende Therapie und Förderung an zu bieten. Auch in Zusammenarbeit mit einigen langjährig berufserfahrenen Psychologen und Psychotherapeuten versuche ich seit einiger Zeit neue Wege zu finden den Autismus therapeutisch anzugehen.

Außerhalb des Studiums arbeite ich bereits mit einigen autistischen Kindern und derren Angehörigen zusammen und konnten zum Teil schon Erfolge mit neuen Therapieformen verzeichnen die einige Kinder erst nach jahrelanger institutioneller Förderung verzeichnen.

Daher ist mein Anliegen auch wie folgt an Eltern autistischer Kinder gerichtet. Falls Sie im Raum Baden-Württemberg oder im angrenzendem Raum Bayerns wohnen und Interesse daran hätten mir zu ermöglichen mit Ihrem Kind zusammen zu arbeiten, nehmen sie bitte mit mir per e-mail Kontakt auf.
Weiterführende Informationen zu meiner ("Forschungs-")Arbeit erhalten sie dann natürlich auf Ihre Anfrage.

Liebe Grüße,

T. Grass

e-mail:
Holger 30.03.2007, 15:14#2
Hallo Herr Grass,

ich weiß nicht, wie es den Eltern geht, an die Sie sich richten. Ich würde jedoch gern ein bisschen mehr darüber erfahren, für welche Art von Therapie Sie Kontaktpersonen suchen, warum Sie "Forschungs-" in Anführungszeichen setzen, bzw. was genau hinter Ihrer Anfrage steht. Handelt es sich bei Ihrer Aktion um Ihre Abschlussarbeit? Was erwarten Sie von den Eltern?

Ich werde immer an dem Punkt etwas vorsichtig, wenn jemand verspricht, Autismus zu therapieren und dann nicht einmal genauer schreibt, auf welchem Weg dies geschehen soll.

Viele Grüße,
Holger Preiß
claudia&joachim 31.03.2007, 17:41#3
Hallo,
auch ich hätte gerne mehr Informationen, da Autismus nicht gleich Autismus ist. Es gibt so viele verschiedene Formen, nicht alle autistischen Kinder sind auf den genannten Schulen. Der Autismus meines Sohnes wurde z.B. erst mit 10 J. diagnostiziert, bis dahin ist viel den Bach runter, weil nicht die richtige Therapie eingesetzt wurde. trotzdem wird nicht genug für aut. Kinder getan. Um an entsprechende Förderungen zu kommen, muß man sich fast selber ein Bein ausreissen , da noch nicht mal Ärzte weitergehend informiert sind, was überhaupt möglich ist.
Wir kommen zwar nicht aus dem genannten Bereich, hätten aber trotzdem grundsätzliches Interesse.
Gruß Claudia
t.Grass 31.03.2007, 22:51#4
Hallo zusammen,

Es gibt mittlerweile viele verschiedene Ansätze, Autismus in seiner, wie Claudia und Holger bereits sagten, individuellen "Vielfältigkeit" zu therapieren. Manche sind mit Vermerk einfach absoluter Quark, andere hingegen sehr effizient was die !Förderung! betrifft. Was allen bisherigen Therapieformen obliegt, ist das Ziel, eine Verbesserung der (meist kognitiven) Fähigkeiten und des Verhaltens bei einem autistischem Kind herbei zu führen. Der einfacheren Erklärung wegen möchte ich alle vorhanden Therapieformen mal unter den Begriff " Klinische Therapie" zusammenfassen , auch wenn dies nicht auf alle zutreffen mag.

Den therapeutischen Ansatz den ich mit einigen anderen sehr engagierten Psychologen und Studenten zusammen entwickelt habe, wurde bereits inoffiziell schon mit dem Namen "Kognoskerologische Therapie (lat. Ableitung: sich selbst erfahren) " von uns versehen.

Eine einfach verständliche Umschreibung habe ich bereits in bildlicher Form, um den Eltern mit denen ich bisher zusammen Arbeite, auf zu zeigen, was das Ziel dieser Therapie ist, und wie dieses Ziel versucht wird zu erreichen. >>> www.team-ohm.de/kst.jpg

Leicht verständlich erklärt (keine fachliterarische Ausarbeitung):

Wie deutlich hervorgeht, wird bei dieser noch in den Kinderschuhen steckenden Therapieform, das autistische Kind dazu bewegt, sich selbst bewusst zu werden, das es in sich geschlossen lebt und die Wirklichkeit anders ist als es sie wahrnimmt (je nach Autismus unterschiedlich stark ausgeprägt). Dann erst kann der Therapeut richtig mit dem Kind interagieren, da das Kind sonst gar nicht versteht was man eigentlich von ihm will. Das wird durch viele kleine Schritte versucht zu ereichen, und ist bei jedem Kind ganz individuell zu gestalten.

1. Man versucht die Wahrnehmung des Kindes nach Innen zu richten, da diese nicht gestört sein kann ( Innere (essenzielle) Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Bewegung etc sind nämlich vorhanden). Die Äußerliche Wahrnehmung ( durch das Fenster, welche ja gestört ist) wird versucht innerhalb der Therapiezeit in den Hintergrund rücken zu lassen (aber nicht ganz aus den Augen) so dass das Kind in dieser Zeit durch Unterstützung mit dem Therapeuten eben genau die nötigen inneren Selbsterfahrungen macht, um verstehen zu können das etwas mit ihm nicht stimmt.
2. Macht sich dieser Vorschritt bemerkbar, ist das Kind auch von sich selbst aus gewillt aus seinem „verschlossenen Haus“ auszubrechen um die eigentliche Welt kennen zu lernen. Es versteht also von nun an den Therapeuten als ihm Helfenden, was die Interaktion und Kommunikation zwischen Klient und Therapeut, deutlich erleichtert. Was jetzt zu tun ist, ist dem Kind Step by Step zu verinnerlichen, wie es gewisse Erfahrungswerte die bereits vorhanden sind um zu strukturieren hat. Hat es erfolgreich einen Erfahrungswert umstrukturiert, und macht jene Erfahrung erneut, versucht der Therapeut mit dem Kind diese neuerliche Erfahrung in den richtigen Kontext zur Realität zu setzen. So kann man dem Kind über lange Zeitspannen verinnerlichen wie es Gewisse Dinge ein zu ordnen hat.

Genau hier stehen wir auch bereits mit unserer Forschungsarbeit. Es ist mir nun schon bei mehreren Kindern gelungen, so große Fortschritte zu verzeichnen, dass es nur noch eine Frage der Zeit und Geduld ist, bis ein Kind genug alte (falsch wahrgenommene) Erfahrungswerte korrigiert hat, um weiter zu verfahren.
Z.b. Bei einen 10j. Mädchen mit Atypischem Autismus, stark gestörter Wahrnehmung und leichter Intelligenzminderung ( so war die Diagnose von den Ärzten), hat bisher nur selten körperliche Zuwendung Seitens ihrer Eltern überhaupt zu lassen können. Nun haben wir aber schon (durch Punkt 1 und 2)  bei ihr erzielen können, dass sie diese  Zuneigung als Zuneigung verstehen lernt und mittlerweile  fordert sie diese sogar selbst ein und klopft immer 3 mal auf die Brust einer Person wenn sie von dieser den Arm genommen werden will!!!!
Das war bisher mein und ich denke auch für die Eltern größtes Erfolgserlebnis.


3. Wie dieser Schritt im Detail aussehen wird ist dann noch fraglich, und wohl auch wieder ganz individuell zu beurteilen. Ebenso wie alle weiteren Schritte die noch folgen werde.  

Momentan sind auch noch viele viele theoretische Fragen  offen und es kann noch nichts wirklich allgemein geltendes zu dieser Therapie formuliert werden. Dennoch werde ich weiter akribisch daran arbeiten diese Therapie weiter zu konzeptionieren bis es einmal hoffentlich soweit ist zusagen: Autismus ist heilbar.

Wer gerne eine fachliterarisch detailiertere Ausführung zum aktuellen Stand unserer Arbeit möchte, darf sich gern per E-mail bei mir melden.

Natürlich erkläre ich dies auch noch detailierter im direktem Gespräch mit Eltern die interessiert wären.  Also am besten gleich eine Telefonnummer in der mail hinterlassen ;-)

Liebe Grüße
biene63 02.04.2007, 09:17#5
Zitat von t.Grass,31. 03 2007, 22:51
Hallo!
Momentan sind auch noch viele viele theoretische Fragen  offen und es kann noch nichts wirklich allgemein geltendes zu dieser Therapie formuliert werden. Dennoch werde ich weiter akribisch daran arbeiten diese Therapie weiter zu konzeptionieren bis es einmal hoffentlich soweit ist zusagen: Autismus ist heilbar.

Ich bin als Asperger-Autistin diagnostiziert, mein Sohn Patrick ebenfalls.

Ich bin immer dann ein bisschen skeptisch, wenn ich was von "heilbar" lese, wenn der Therapie-Ansatz auf mich wirkt, wie "heilen bedeutet wegmachen".

Wenn "heilen" allerdings "grösstmöglicher Respekt und und Akzeptiertwerden im eigenen So-Sein" bedeutet, finde ich "heilen" sinnvoll.

Ich mag meine Rückzugsmöglichkeiten. Ich mag es, einen Planeten ganz für mich allein zu haben. Und ich mag es, Wege gefunden zu haben, wie ich zeitweise mal die Erdlinge besuchen kann.

Was hätte ich mir in der Vergangenheit gewünscht oder würde es mir für Personen wünschen, die aktuell in vergleichbarer Lage sind?

- Die Familien, die mit autistischer Person in iher Mitte leben, erleben oftmals eine jahre-oder jahrzehntelange Odyssee, die die Kräfte bis an die Substanz aufzehrt. Was ist so kräftezehrend? Sicherlich - mit Autismus zu leben ist anstrengend! Aber noch um Welten anstrengender ist es, von den "Fachkräften" in aller Regel nicht ernstgenommen zu werden. Da wird dann in eine ICD10-Liste geschaut. Und wenn diese oder jene Symptomatik nicht präzise in diesem Ausmass vorhanden ist oder in der Reihenfolge auftaucht, ist der angeblich erfahrene Diagnostiker nicht in der Lage, eine adäquate Diagnose zu stellen. Ohne angemessene Diagnose ist der Autismus zwar auch weiterhin durchaus existent - er heisst nur nicht so!
Ohne Diagnose hat die autistische Person keinerlei Anrecht auf angemessene, dringend benötigte Hilfe. Ohne angemessene Diagnose erleben die Familien-Mitglieder des autistischen Menschen ein absolutes Spiessrutenlaufen. Meint: In Helferrunden wird man als Elternteil gern verlacht. Besonders nett, wenn man selbst mit Autismus lebt und darum lange braucht, den Inhalt der geäusserten Information zu entschlüsseln...lange braucht, um Sach-Information und Ironie voneinander zu trennen...lange braucht, um angemessen irgendwie zu reagieren. Lehrer und Therapeuten und Sozialarbeiter reden alle nicht mit den Ärzten und auch nicht untereinander. Man muss als Elternteil diese diplomatischen Tätigkeiten alle selbst leisten. Besonders nett, wenn man als Elternteil selbst mit Autismus lebt und entsprechend das Gegenteil von befähigt ist, um diplomatische Leistungen auszuführen.

Folge: Ich sehe absolut dringsten Handlungsbedarf, dass sich "soziale Fachkräfte aller Disziplinen" irgendwie mal bemüssigen ihre sozialen Kompetenzen dahingehend auszubilden, die Tätigkeiten für die sie angeblich ausgebildet sind auch ausführen zu können.

Ich finde es eine Unverschämtheit, wenn von Eltern, die ja doch angeblich in diesem ganzen Prozess die "Laien" sind, ersatzweise all die Handlungen abverlangt werden, für die die "sozialen Fachkräfte" zwar bezahlt werden, aber die zu tun diese "sozialen Fachkräfte" nicht in der Lage sind.

Ich fänd es einfach angemessen, wenn künftig ein autistischer Mensch nicht mehr 11 Jahre auf eine Diagnose warten muss, weil dann endlich das Spiessrutenlaufen beendet ist.

Ich fänd es angemessen, wenn ein autistischer Mensch bei vorhandener Winkelfehlsichtigkeit eine angemessene Brille vom Arzt bezahlt bekommt, inclusive OP - und nicht dass die Eltern diese Kosten übernehmen müssen, weil "normale" Augenärzte der Meinung sind, Winkelfehlsichtigkeit gäbe es nicht.

Ich fänd es dringend erforderlich, wenn in die allgemeine Regelausbildung von "sozialen Fachkräften jeglicher Disziplin" mal aufgenommen würde, was der "Regelkreis der Sensomotorik" bedeutet. Meine Ergotherapeutin hat mich informiert, dass noch nicht mal in der Ausbildung zum Ergotherapeuten der "Regelkreis der Sensomotorik" eine zentrale Rolle spielt. Sondern, es ist für die interessierten Personen eine Freizeitleistung, an Fortbildungsveranstaltungen zum Thema "Sensorische Integration" teilzunehmen....und da erfährt man dann teilweise Erhellendes, was zu wissen in der Arbeit mit der Klientel seit langem wichtig gewesen wäre....

Ich fänd es angemessen, wenn in der Schule eines autistischen Menschen nicht nur die Klassenleitung und die PU regelmässig Einblick nimmt in vorhandene Gutachten (obwohl das bereits die private / ehrenamtliche Leistung dieser beiden Personen ist...also das absolute Gegenteil vom zu erwartenden Regelfall), sondern gleichfalls die Fachlehrer verpflichtet wären, sich über die allgemeinen sensorischen und kognitiven Möglichkeiten ihres Schülers angemessen zu informieren und weiterhin daraus angemessene Konsequenzen für ihr persönliches Handeln zu ziehen.

Weiterhin: Es ist meine Erfahrung, dass Autismus weniger eine Behinderung der Seele ist (die ist bei mir völlig in Ordnung), sondern vielmehr ein Problem / Handicap individueller Ausprägung des "Regelkreises der Sensomotorik". Ich sehe ungeheuer viel mehr Parallelen zwischen Autismus und Sinnesbehinderung als es eventuelle Ähnlichkeiten zwischen autistischen Menschen und Psychiatrie-Patienten geben mag. Um Autismus als Diagnose (daher Basis für alle weiteren benötigten Hilfen) zu erhalten, muss man aber zum Psychiater gehen. Und je nachdem, wie der selbst seelisch belastbar ist, wird man dann korrrekt diagnostiziert oder gerät in eine völlig falsche Diagnose-Ecke...und das Spielchen geht von vorne los!

Mein Fazit: Autismus "heilen" zu wollen, ist sicherlich ein interessantes Vorhaben, andere Vorhaben finde ich aber dringlicher...siehe wie oben beschrieben.

lg von biene63
Holger 02.04.2007, 09:56#6
Hallo Herr Grass,

von dem was sie schreiben, habe ich nun zwar eine Ahnung von der theoretischen Konzeption, nicht jedoch, wie das Ganze dann abläuft.

Was mich etwas stört, ist der Ansatz, dass das Kind merken muss, dass "die Wirklichkeit anders ist als es sie wahrnimmt". Was ist denn die Wirklichkeit? Das was wir dem Kind präsentieren? Und nun soll das Kind dahin gebracht werden, gefälligst das wahrzunehmen, was wir wollen, dass es wahrnimmt. Das klingt für mich nicht wirklich so, als ob die Persönlichkeit des Kindes, sein Willen, usw. dabei in irgendeiner Weise berücksichtigt wird. Das nun mal vom theoretischen Standpunkt her.

Wie sieht denn dieses "auf die innere Wahrnehmung" konzentrieren aus? Wenn ich Böses unterstellen wollte, könnte ich mir jetzt hinter diesen Ausführungen die schlimmsten Dinge vorstellen, hinter denen ich nicht stehen könnte. Man könnte das Kind ein paar Tage in einen reizarmen Raum stecken (so etwas wie in ihrer Grafik enthalten ist, bringt mich ziemlich schnell zu solchen Gedanken...) und es so auf sich selbst zurückwerfen.

Richtet es sich dann in Schritt 2 vielleicht an den Therapeuten, der den Schlüssel zu diesem Raum hat, damit es überhaupt rauskommt? Könnte so erreicht werden, dass das Kind Kontakt zu seiner Außenwelt aufnimmt?

Mag sein. Dennoch würde ich hier nicht sagen "Der Zweck heiligt die Mittel"! Mir fällt dazu z.B. die Festhaltetherapie nach Prekop ein. Auch hier öffnen sich die Kinder irgendwann den Eltern ... nachdem Sie stundenlang festgehalten und provoziert wurden, der Wille des Kindes in häufig dramatischer Weise gebrochen wurde. Der (scheinbare) Erfolg, dass das gewünschte Verhalten hergestellt (oder die "richtige" Wahrnehmung erreicht?) wurde, ist für mich noch kein Grund, diese "Therapie" zu unterstützen.

Wenn ich das hier schreibe, heißt das nicht, dass ich Ihnen all das unterstelle. Ich möchte damit nur deutlich machen, dass man aus Ihren wohlmeinenden Beschreibungen gar nichts über den Ablauf eines solchen Therapie-Versuchs weiß. Ich kann nur jedem, dem Leute eine neue "Therapie" für das eigene Kind versprechen, raten sich das vorher genau(!) anzuschauen, egal was es ist. Und das vor allem dann, wenn diese Leute die eigenen vielleicht sehnlichsten Wünsche ansprechen mit Sätzen wie
Autismus ist heilbar

Viele Grüße,

Holger Preiß
claudia&joachim 03.04.2007, 20:39#7
Hallo,
wenn deine einfache Zeichnung alles ist , was du zu bieten hast und allen ernstest sagst, Autismus ist heilbar.. na dann gute Nacht.
Gehe doch mal in ein Autismustherapiezentrum und informiere dich dort. Autismus ist in jeder Form eine angeborene vielfältige Störung, die man zwar mildern kann, aber heilen ?? Wenn man erreichen kann, das der Autist mal kurz vor die Tür geht oder aus dem Fenster schaut ist schon viel erreicht. Will denn der Autist raus aus seinem Haus ? Oder meinen nur die Anderen , er müsse heraus?
Als betroffene Mutter eine Aspergerautisten kann ich Biene nur in allen Punkten zustimmen !
Nach der Diagnose meines Sohnes mußte ICH erst mal einen Lernprozess durchlaufen, um meinen Sohn so zu akzeptieren, wie er ist und nicht dauernd von ihm Veränderungen erwarten, die er nicht leisten konnte. Als ich das einigermaßen geschafft hatte, konnte ich ganz anders mit ihm umgehen und wir haben in kurzer Zeit auch positive Veränderungen festgestellt.Jetzt ist es unser Problem,seine Umwelt zu bewegen, auch einen Lernprozess
bei sich selber anzufangen
Autismus heilen...Quatsch. Oder wollt ihr einem Diabetiker sagen: du kommst jetzt ohne Insulin aus ? Oder einem ohne Beine laßt ihr neue Beine wachsen ?
Versuche erst mal Autisten in ihrer Welt zu verstehen, bevor ihr ihnen ihre Welt verändert, denn vielleicht wollen sie das gar nicht- wenn sie mal in die "richtige Welt" geschaut haben.
Bietet Therapie und Informationen an für Begleitpersonen,Verwandte , Lehrer u.s.w.
Die Kinderpsychiatrie hat damals die Behandlung eingestellt und gesagt WIR als Eltern müssen lernen, damit unser Sohn lernen und sich ändern kann und damit hatten sie recht.
Gruß Claudia : unsicher
HKBKL 05.04.2007, 20:11#8
Hallo,
Wenn Autismus heilbar wär,dann gäbe es kein Autismus mehr. Die Menschen die Autismus haben müßen lernen damit umzugehen, aber was noch wichtiger ist wir als "normale-gesunde" Menschen müßen auch lernen damit umzugehen und nicht abwärtent darauf reagieren.Ich habe selbst einen Sohn der ein Mensch mit Autismus ist und auch ich mußte lernen damit umzugehen.
Tut mir leid aber deine Zeichnung,ist in meinen Augen unverständlich. (Ein Mensch mit Autismus lebt in seine Welt, bzw er zieht sich dorthin zurück ,weil er sich dort sicher fühlt,das ist sein Reich)
Ich muß sagen was  Claudia und Biene63 schreiben da stümme ich zu.
Gruß HK : unsicher  
bianka018 22.04.2008, 09:54#9
AW: Priv. Forschungsarbeit

Nun, der Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber dazu muß ich was loswerden.
Zitat von t.Grass
Ein generelles Problem stellt meiner Meinung nach auch dar, dass die Ursachen für das Entestehen von Autismus noch nicht gänzlich erforscht ist. Grund dessen ist es logischerweise auch schwer eine konkrete Aussage darüber treffen zu können, welche Therapieformen nun am "wirksamsten" sind.
Was kann das Wissen über die Ursachen an die Herangehensweise von Therapien ändern?
...um Autisten in Zukunft hoffentlich eine nachweislich Erfolgs verzeichnende Therapie und Förderung an zu bieten.
Du glaubst doch nicht dass man Autismus wegtherapieren kann. Und das was du Förderung nennst nenne ich "normaler Umgang und normale Erziehung von Kindern".
Auch in Zusammenarbeit mit einigen langjährig berufserfahrenen Psychologen und Psychotherapeuten versuche ich seit einiger Zeit neue Wege zu finden den Autismus therapeutisch anzugehen.
Irgendwie braucht ja Jeder seine Daseinsberechtigung, was?! Am erfahrensten sind logischerweise Autisten selbst. Frag doch einfach Autisten um zu verstehen. Und meistens brauchen sie Eure sogenannte Hilfe garnicht, sondern nur Akzeptanz und ein wenig Anpassung vom gesamten Umfeld.
Außerhalb des Studiums arbeite ich bereits mit einigen autistischen Kindern und derren Angehörigen zusammen und konnten zum Teil schon Erfolge mit neuen Therapieformen verzeichnen die einige Kinder erst nach jahrelanger institutioneller Förderung verzeichnen.
Oh, wiedermal ne neue Therapieform! Warum auch nicht, solange die Kassen zahlen. Habt ihr schonmal drüber nachgedacht, dass sogar autistische Kinder sich entwickeln und das was ihr Erfolg nennt einfach eine Entwicklungsstufe ist, die auch ohne Euch eingetreten wäre? Da wird drauf los Therapiert ohne Rücksicht auf das Kind selbst.

Da kann ich nur folgendes Empfehlen:

http://autisten.enthinderung.de/
http://autisten.enthinderung.de/eltern1.html

Villeicht müssen ja doch mal die Erzieher, Psychologen, Therapeuten und Ärzte therapiert werden, damit sie endlich anfangen zu verstehen.