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Rösler will weniger Bürokratie in der Pflege

**Claudia** 19.03.2011, 10:10#1
Berlin (Reuters) - Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will die Bürokratie und den Dokumentationsaufwand im Pflegesektor abbauen.

Nach einer Gesprächsrunde mit Verbandsvertretern und Experten zur Pflegereform kündigte der FDP-Politiker am Freitag in Berlin an, die Fachkräfte sollten wieder mehr Zeit für die Betroffenen haben. Unter anderem will er in seinem Ministerium eine Ombudsperson einsetzen. Diese solle für die laufenden Reformberatungen zusammentragen, welche Paragrafen geändert oder abgeschafft werden könnten.



http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE72H0GA20110318
Daniel 21.03.2011, 09:00#2
AW: Rösler will weniger Bürokratie in der Pflege

Hmmm...

Aus dem Artikel:
Rösler will nach eigenen Worten zudem erreichen, dass wie in den meisten stationären Einrichtungen auch im ambulanten Sektor bei der Dokumentation mehr EDV und weniger Papier zum Einsatz kommt. Dazu werde es ein Modellprojekt geben.
Es soll offenbar nicht um ein "Weniger" an Dokumentation gehen - sondern nur um eine Verlagerung von Papier auf EDV. Ob das Zeit (und somit auch Geld) erspart, sei dahin gestellt - denn grundsätzlich gäbe es jetzt bereits die Möglichkeit einer recht weitreichenden digital erstellten Doku. Abgesehen davon stelle ich mir vor allem die fortlaufende (im Optimalfall ja mindestens 1x täglich geführte) Verlaufsdoku sogar komplizierter vor, wenn sie digital stattfinden soll - es sei denn, jede Pflegekraft einer Schicht bekommt ein eigenes PDA oder nen Tablet-PC, um quasi "vom pflegebett aus" unmittelbar dokumentieren zu können... Aber dazu wird's aus finanziellen Gründen wohl nicht kommen.
Zudem strebt der Minister an, dass für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen die Genehmigung von Leistungen und Hilfsmitteln vereinfacht werden. Starre Vorgaben verhinderten eine Entscheidung im Einzelfall. Daher werde er das Gespräch mit den Krankenkassen suchen.
Ich weiß nicht, welche Erfahrungen Ihr macht - meiner Erfahrung nach liegt die Schwierigkeit hier weniger an einem zu komplizierten Genehmigungsverfahren, als vielmehr an der Unlust der Kassen, einfach mal ordentlich Geld in die Hand zu nehmen... Und diese Schwierigkeit wird nicht durch eine vermeintliche Vereinfachung des Antrags- und Genehmigungsverfahrens verschwinden.
Die unterschiedlichen Überprüfungen von Pflegeheimen durch Heimaufsicht, Medizininischem Dienst, Feuerwehr, Berufsgenossenschaft und Gewerbeaufsicht will Rösler möglichst an einem gemeinsamen Termin gebündelt sehen.
Das wird spannend - bedenkt man doch, dass diese "unterschiedlichen Überprüfungen" allesamt gänzlich andere Hintergründe, Vorgaben und Ziele haben... und zudem andere Kompetenzen erfordern...
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mahnte ein Konzept zur Finanzierung der Pflegeversicherung an. Die Bürokratie sei nicht das Entscheidende, sagte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach zu Reuters. Notwendig seien vielmehr qualifizierte Fachkräfte, gute Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung. Die Regierung müsse daher die "Show-Einlagen" beenden.
Schön, dass der Artikel so auf den eigentlichen "Pudels-Kern" hinweist.
Denn das ist es doch schlicht und einfach, was der Pflege fehlt: Geld.

Und damit ist man doch wieder beim zentralen Thema der Gegenwart:
Wer kerntechnikferne und klimaschonenden Strom will - muss mehr Geld dafür ausgeben.
Wer gesunde, chemiefreie Nahrung will - muss mehr Geld dafür ausgeben.
Wer qualifizierte und "menschliche" Pflege möchte - .....
Seti 21.03.2011, 10:34#3
AW: Rösler will weniger Bürokratie in der Pflege
Zudem strebt der Minister an, dass für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen die Genehmigung von Leistungen und Hilfsmitteln vereinfacht werden. Starre Vorgaben verhinderten eine Entscheidung im Einzelfall. Daher werde er das Gespräch mit den Krankenkassen suchen.

Klingt zwar nicht schlecht , ABER es wird wieder am Geld mangeln

Ich sehe es doch bei uns gerade wegen den Windeln , dann müsste die Vorgabe dieser 33 Euro ja schon gekippt werden von den KK.

Oder bei meiner Bekannten deren Ehemann sehr schwer erkrankt ist, es kann nicht sein das Leute 3 Wochen auf einen Rolli warten müssen , noch schlimmer geht es bei den Pflegestufe zu . Hier müsste endlich was geschehen.

Diese blödsinnigen Zeitvorgaben. Der Mensch rückt bei diesen Zeitvorgaben ins Abseits.
Inge 21.03.2011, 12:23#4
AW: Rösler will weniger Bürokratie in der Pflege
Zitat von Accolon
Es soll offenbar nicht um ein "Weniger" an Dokumentation gehen - sondern nur um eine Verlagerung von Papier auf EDV. Ob das Zeit (und somit auch Geld) erspart, sei dahin gestellt - denn grundsätzlich gäbe es jetzt bereits die Möglichkeit einer recht weitreichenden digital erstellten Doku.

Hallo zusammen,

ich "picke" mir mal aus Zeitmangel nur einen Aspekt heraus: EDV wird ganz oft als die Lösung angepriesen. Warum wohl?? Es ist ein riesiger Geschäftszweig.
Vermutlich fließt viel Geld in solche Programme mit den entsprechenden jährlichen Updates und Hotlines oder auch in diverse teure wort- und bilderreiche Schulungen für Führungskräfte. Dieses Geld fehlt dann für die betreuten Menschen und die Mitarbeiter in den Einrichtungen.

Beispiel "Noten für Pflegeheime": Es gibt für Einrichtungsträger inzwischen verschiedene Softwares, mit denen sich die Befragung durch die Heimaufsicht geprobt werden kann oder Programme zum Thema Bewohnerbefragung.
So sehr ich den PC und viele Programme als Arbeitserleichterung schätze, so sehr fürchte ich den Missbrauch solcher Programme, bei denen auch die miserabelsten Einrichtungsträer nur "logisch" vorgehen müssen, um glänzend dazustehen.
Lazarus 21.03.2011, 23:33#5
AW: Rösler will weniger Bürokratie in der Pflege

Mir wird dabei vor Angst und Misstrauen nur schlecht. Seit dem ich in einem "Pflegeheim" mit Demenzkranken gearbeitet habe, glaube ich an nichts mehr. Schon überhaupt gar nicht daran, dass mehr Zeit für die zu Betreuenden bleibt.

Ich habe immer nach Feierabend mindestens 40 Minuten über meiner Dokumentation gesessen. Vollzeitkräfte können sich das nicht erlauben, denn sie brauchen ja auch mal Feierabend und einen Ausgleich. Daher kommt wohl auch der häufige Personalwechsel in diesen Einrichtungen.