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Wird mein Kind richtig gefördert?

Felicitasks 25.11.2006, 22:27#1
Hallo,
sind aus sachsen und hoffe, erfahrungen auszutauschen.
Mein sohn lukas (8) geht seit 2 jahren auf förderschule (G), bin auch sehr zufrieden, denke, dass er seinen fähigkeiten entsprechen gefördert wird.
Aber ich bin auch elternratsvorsitzende und vorsitzende des fördervereins dieser schule und möchte mich für die probleme anderer einsetzen. Es werden ab und zu mal stimmen laut, leider auch in "meiner" klasse, dass die kinder zu wenig gefördert werden.  Manche eltern "belästigen" die lehrer, indem sie unangemeldet in den unterricht stürmen und "ich schau mal zu ", kinder werden aus der physiotherapie geholt, "so einen mist muss mein kind nicht machen", na wo sind wir denn?  Ich bin der meinung, dass die lehrer und therapeuten jahrelang erfahrung haben und auf jedes kind entsprechen eingehen. Manche eltern meinen, dass die kinder bis zur "kotzgrenze" getrimmt werden sollen, ich bin der meinung der pädagogen, dann verlieren sie die lust und kommen gar nicht mehr weiter.
Wie kann man solchen eltern die zweifel nehmen? Am ende haben sie die behinderung ihrer kinder (noch) nicht akzeptiert denke ich.
freue mich über jede meinung.
Felicitasks
Holger 27.11.2006, 12:15#2
Hallo Felicitasks,

ich glaube, das ist wirklich ein schwieriges Thema... bei so etwas wie der Förderung des eigenen Kindes hat ja jeder wirklich ganz andere Vorstellungen. Wie du sagst: der eine vertraut auf die Fachkräfte, der andere misstraut ihnen. Der eine meint "da geht noch mehr", der andere sagt "das ist zu viel". Ich kannte z.B. eine Mutter, die ihren Sohn jeden Tag um 11.00 Uhr aus der Schule abgeholt hat, um ihn am Nachmittag zu Hause "richtig" zu fördern.
Diese unterschiedlichen Ansichten werden dir im Bereich der Förderung und Therapie immer wieder begegnen...

Die Frage ist für mich, woher das Misstrauen kommt. Vielleicht wurden mit dem ein oder anderen Therapeuten wirklich schon mal schlechte Erfahrungen gemacht. Auch Therapeuten unterliegen in gewisser Weise ja häufig finanziellen Zwängen und da kann man in Einzelfällen schon unterstellen, dass auch mal etwas therapiert wird, was gar nichts bringt. Aber wer will das jeweils beurteilen? Ohnehin werden nur Therapien von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, die nachweislich erfolgversprechend sind, worunter beispielsweise tiergestützte Therapie in diesem Sinne (noch) nicht zählt.

Auf der anderen Seite fallen mir gerade bei der tiergestützten Therapie Heilungsversprechen von Therapeuten ein, die bei manchen Eltern den Wunsch auf eine "Heilung" der Behinderung wieder wachrütteln. Das mag dann u.a. das sein, was du mit "Behinderung (noch) nicht akzeptieren" meinst. Da wir hier auf der Homepage ja auch z.B. einen Experten-Chat zum Thema Delfintherapie hatten, bekomme ich regelmäßig Spendenaufrufe von Leuten, denen versprochen wird, ihr Kind könne nach so und so viel Delfin-Therapie-Wochen in Florida oder anderstwo z.B. ohne Probleme laufen. Ich persönlich bin da sehr skeptisch, gerade, wenn "Wunder" versprochen werden. Andernfalls ist es natürlich verständlich, das jeder das Beste für sein Kind will und ihm dabei nichts zu teuer ist.

Letztlich ist das wirklich eine höchst individuelle Sache, glaube ich. Du kannst, denke ich, höchstens im Gespräch mit Eltern, die du kennst, versuchen diesen einen anderen Blickwinkel aufzuzeigen in Bezug auf die Förderung an eurer Schule. Ich glaube mehr ist dabei nicht drin. Ich finde es ehrlich gesagt auch sehr schön, dass du dich von Elternseite für die Einrichtung und die Fachleute dort einsetzen willst. Meistens erfahren wir hier im Forum eigentlich nur davon, wenn jemand unzufrieden mit Einrichtungen, Geldgebern, Ämtern, etc. ist. Schön auch zu lesen, dass es manchmal anders ist ...

Viele Grüße,

Holger
Felicitasks 28.11.2006, 12:13#3
Hallo Holger,
danke für Deine Nachricht. Ja ich bin Elternratsvorsitzende der Schule und auch Vorsitzende von unserem Förderverein, sozusagen Bindeglide zwischen Eltern und Schule. Da will man besonders versuchen, beiden Seiten Gerecht zu werden, im Vordergrund steht immer das Wohl und Wohlfühlen der Kinder.
Die Eltern, die es betrifft haben echt Schwierigkeiten, die Behinderung ihrer Kinder zu akzeptieren und sind sicher auch zu wenig darüber aufgeklärt und ihr Umfeld ist auch in die Richtung 0 Ahnung. Leider sind sie an einem Punkt, wo sie gar nicht mehr zuhören und nur reden, reden, aber nichts kommt raus, außer zum Teil Unsachlichkeiten.
Am Besten ist, man läßt erst einmal alle Gemüter zur Beruhigung kommen.
Weiß jemand, ob es auch im Sächsischen Schulgesetz für Förderschulen (G) beschrieben ist, dass die Eltern in den Förderplan mit einbezogen werden sollen und Einsichtsrecht haben?
Eine Antwort wäre mir sehr wichtig.
Übrigens bin ich durch Zufall hierher gestoßen und finde es echt toll, nun diese Möglichkeit zum Austauch und als Hilfe zu nutzen.
Danke.

Felicitasks
mandymc 28.11.2006, 14:23#4
Hallo erstmal,
also wir kommen aus nrw und haben leider auch schlechte erfahrungen gemacht.Mein kleiner Bruder (9) geht seit 3 Jahren auf die Föderschule für geistige Entwicklung, und dort wird er nicht wirklich gefördert.Nach mehreren Gesprächen hat sich auch nichts getan.Einmal wurde geantwortet "es könnte ja in Arbeit ausarten"
Er hat viel interesse an Bustaben und Zahlen und leider wird dort nichts von dem unterrichtet.Wir haben uns jetzt entschlossen ihn umzuschulen doch auch da wird einem nur Steine in den Weg gelegt....
Ich hoffe das es jetzt bald klappt denn er ist dort nicht gut aufgehoben.Es kommt einem vor wie die reinste Aufbewarungs-Station.
miau 28.11.2006, 19:03#5
Hallo Felicitasks,

ich gehöre auch zu den Eltern, die du beschreibst. Meine Tochter geht nicht mehr zur Schule, und als sie noch dort war hat der zuständige Elternbeirat genau so reagiert, wie du schreibst:
ie Eltern, die es betrifft haben echt Schwierigkeiten, die Behinderung ihrer Kinder zu akzeptieren und sind sicher auch zu wenig darüber aufgeklärt und ihr Umfeld ist auch in die Richtung 0 Ahnung. Leider sind sie an einem Punkt, wo sie gar nicht mehr zuhören und nur reden, reden, aber nichts kommt raus, außer zum Teil Unsachlichkeiten.

Genau das, was du geschrieben hast, so habe ich mich bewertet gefühlt.

Eltern  haben auch Augen im Kopf und sehen, wann ihre Kinder sich teilweise sogar zurück entwickeln, was Zeichen von Hospitalismus ist (= mangelnde Förderung bzw. Vernachlässigung).

Manche Eltern bekommen sogar von den "geschulten" Therapeuten dort gesagt, dass nichts zu machen sei. Für was gibt es dann Förderschulen?

Ist ein Kind zu schwer behindert und auch noch unsympathisch oder die Eltern sind es oder die Eltern machen zu wenige Geschenke, dann kann es recht schnell vorkommen, dass ein anderes, das diese Kriterien erfüllt, mehr gefördert wird.

Liebe Grüße miau

Nachtrag:
Für was gibt es eigentlich einen Elternbeirat, wenn sie alle so handeln wie du es beschreibst? (Ich frage, weil mir solche Unverschämtheiten auch an anderen Schulen begegnet sind, nicht mir selber, aber wenn diejenigen erzählt haben.)
Felicitasks 29.11.2006, 07:31#6
Hallo Miau,

es sind nur wenige Fälle, die auf meine Beschreibung eventuell treffen. Was ich meine, ist, dass, wenn verschiedene unabhängige Fachleute zu selben Diagnostikergebnissen kommen und die Eltern immernoch anderer Meinung sind, dann geht es in die von mir beschriebene Richtung oder?
Es ist immer schwierig, richtige Urteile zu fällen, aber man kann in Gesprächen einiges klären. Wenn dann Eltern dabei sind, die nur reden und am Ende sich nichts anderes anhören, ist es unmöglich, Hilfe anzubieten.
Ich setzte mich als Elternrat dafür ein, dass die Eltern in den Förderplan einbezogen werden sollen und auch zu persönlichen Gesprächen mit dem Klassenlehrer Angebote bekommen und einen gemeinsamen Nenner finden sollen mit den Pädagogen.
Das ist z. Z. ein sogenannter wunder Punkt an unserer Schule. Ich denke mal, wenn es auf Gegenliebe stößt und vor allem auch von den Eltern genutzt wird, werden die meisten Zweifel im Vorfeld beseitigt.
Ich habe leider auch die Erfahrung gemacht, dass es viele Eltern gibt, die nicht so Löwenhaft um ihre Kinder kämpfen wie Du und ich.
Nächsten Mittwoch ist unser 15. Schulgeburtstag und bis dahin ist die lage angespannt und alles darauf ausgerichtet, die Schule bekommt in diesem Zusammenhang endlich einen Namen und das hat auch der ER in die Wege geleitet.
Ich versuche eine Einheit, Eltern-Kinder-Lehrer zu schaffen. Jeden kann man nicht erreichen, aber man kann es versuchen und da sind wir schon sehr aktiv.
Wenn Du noch tipps für mich hast, wie man den Schulalltag verbessern kann, bin ich ganz Ohr. Unsere Pädagogen sind für alles offen und ich erst recht.
LG

Felicitasks
Felicitasks 29.11.2006, 07:50#7
Hallo mandymc,

wegen deinem Bruder tut mir leid, aber bei uns in der Schule wird alles gelernt, mein Sohn ist jetzt das 2. Jahr dort und kann schon viel lesen und auch mit den Zahlen umgehen, bei ihm häng es nur an der Feinmotorik, somit kann er sehr schlecht mit Stiften und Schere umgehen, aber er hat in diese Richtung auch schon Fortschritte gemacht. Physiotherapie kommt eine 2 Mal die Woche in die Schule und macht jetzt mit ihm Fingerübungen zur Stärkung der Handmuskeln. Das gleiche wurde mir von der Lehrerin vorige Woche beim Elternbesuch angeraten, also merkt man doch, dass in diese Richtung auf jeden Fall zusammengearbeitet wird.
Als wir im Urlaub waren, habe ich aus Berlin eine Mutti mit DS-Tochter kennengelernt, sie war schon 14 und auf sehr geringem Stand. Was die Mutti über die dortigen Zustände wegen der Bildung bzw. Förderung erzählt hat, na Hilfe kommt denen Deines Bruders nahe, aber schlimmer. Es ist erschreckend, was man da so erfahren muss. Auch beim KER (Kreiselternrat) kommen wir Eltern von den nur 4 Förderschulen ziemlich hinten angehangen vor. Dort können sie kaum auf Probleme unserer Schulen Antwort finden, weil das Interesse gar nicht da ist. Deshalb muss man sich als Eltern allein Gedanken machen und ist froh, so eine Möglichkeit wie diese Forum gefunden zu haben.
Ich werde nach unserem "Schulgeburtstagsstress" einen Elternbrief (ist nicht der erste!) verfassen, wo jeder die Möglichkeit hat, seine Meinung und Vorschläge anonym an mich zu bringen und ich nehme mich jeder Sache an. Was schätzt Du, wieviele von ca. 70 Eltern werden es nutzen?
Dir und Deinem Bruder alles Gute und bleibt stakr.
Jeder Mensch ist auf seine Art was ganz besonderes, nur viele werden leider übersehen.
LG

Felicitasks